Erfolgreich ist, wer das innere Spiel gewonnen hat
07.10.2009 | MediaNet Ruhr

- Coach Thomas Kottmann
Wenn wir lernen wollen, kleine weiße Bälle auf möglichst elegante Weise in ferne grüne Löcher zu versenken, investieren wir in einen professionellen Trainer. Und wenn der sich für einen Moment an der Bar zu einem Glas Champagner einstellt und gnädig in die Runde grüßt, heißt es stolz: „Mein Coach“.
Wenn aber nahe liegende private oder berufliche Weichenstellungen zu bewältigen sind, wälzen wir uns nächtelang rat- und schlaflos hin und her und treffen dann eine vielleicht gar nicht so elegante, auf jeden Fall aber eine einsame Entscheidung. Natürlich blitzt der Gedanke auf, auch hier einen Spezialisten zu engagieren und das Problem einmal durchzusprechen: einen Karriere-Coach. Doch sofort quält die Frage, was die anderen zu solcherart Hilfestellungen sagen werden. Viele werden gar nichts sagen. Sie tun es längst.
Unentdeckte Ressourcen und ungeahnte Kräfte gilt es zu wecken
Coaching gehört mittlerweile zu den selbstverständlichsten Karrieredienstleistungen – diese Entwicklung konnten auch dubiose Motivationsgurus aus der Coaching-Szene nicht aufhalten. Dennoch wird Hilfe zu suchen und anzunehmen oft mit dem Eingeständnis gleichgesetzt, nicht erfolgreich zu sein. So werden Chancen verschenkt, sich weiterzuentwickeln. Die eigene Standortbestimmung ist kein Eingestehen von Schwäche, sondern eine selbstbewusste Demonstration von Stärke. Coaching erhöht die Handlungsfähigkeit und optimiert Stärken, die oft vor dem Hintergrund eines kritischen Selbstbildes unter Wert gehandelt werden. Unentdeckte Ressourcen und ungeahnte Kräfte gilt es zu wecken. Für viele Unternehmen ist Coaching längst Teil der Personalstrategie geworden. Durch externe Unterstützung werden Führungskräfte befähigt, langfristig erfolgreich zu sein und den Anforderungen ihres Jobs gesundheitlich wie mental standzuhalten.
Effizienz, Diskretion, Schnelligkeit
Im Coaching gibt es alternative Ausgangssituationen: Coaching als Qualifizierungsmaßnahme für förderungswürdige Mitarbeiter. Coaching als Potentialanalyse, um Managern Wege aufzuzeigen, ihre individuellen Entwicklungsziele – losgelöst vom Alltag – zu erarbeiten. Und schließlich Coaching, um dem Leidensdruck in einer schwierigen Situation oder gar Krise zu begegnen.
Gemein ist allen Situationen die klare Zielorientierung und der konkrete Rahmen. Anders als ein Therapeut arbeitet der Coach ausschließlich lösungsorientiert. Die Frage, was will der Coachee (Coaching-Teilnehmer) und wie kann er es erreichen, steht immer im Vordergrund.
Die entscheidenden Vorteile des Einzel-Coachings gegenüber klassischen Trainingsmaßnahmen sind Effizienz, Diskretion und schnellere Umsetzung der gesetzten Ziele.
Trotz der beruflichen Ausrichtung der Beratungsinhalte wäre es falsch anzunehmen, dass Sachprobleme im Coaching dominieren. Beziehungsprobleme zwischen Einzelnen und Interessengruppen überlagern meist die angesprochenen Sachprobleme.
Der Coach stellt viele Fragen. Seine Leistung besteht darin, den Coachee zu unterstützen und pragmatisch alternative Optionen für sein Denken und Handeln herauszuarbeiten. Der immer häufiger geäußerte Wunsch nach einem Coach hat mit der zunehmenden Leistungsverdichtung und dem schnellen Wandel der Arbeitsbedingungen zu tun. In diesem hektischen Umfeld ist es vielen Managern ein Anliegen, die eigene Perspektive mit der Sicht eines neutralen Coachs zu konfrontieren, der außerhalb des Geschäfts steht, aber die Zusammenhänge trotzdem (oder gerade deswegen) beurteilen kann.
Auf dem Weg zu mehr Gelassenheit
Nach aktuellen Erhebungen leiden 80% der Führungskräfte unter Ängsten und Unsicherheiten. Diese Gefühle sind kein Makel, sondern eine natürliche Reaktion auf ständig wachsende Anforderungen. Ein erster Schritt ist Ehrlichkeit mit sich selbst, damit die Unsicherheitsgefühle nicht verdrängt werden und sich dann aufschaukeln.
Innere emotionale Ermüdung wird für Führungskräfte häufig zum Normalzustand, viele haben den Kontakt zu sich verloren. Oft ist ihnen die Gelassenheit abhanden gekommen. Erfolgreich ist, wer das innere Spiel gewonnen hat. Dieses läuft nach eigenen Zielen und Spielregeln ab. Wer dies erkennt und kontinuierlich an sich und seiner Selbstdisziplin arbeitet, hat große Chancen, sein eigenes Drehbuch nicht anderen zu überlassen. Lebensqualität ist nicht an äußeren Dingen festzumachen, sie wird maßgeblich durch den eigenen Umgang mit sich selbst bestimmt. Daher gilt: Die beste Investition ist die Investition in sich selbst!
