Management und Meditation
18.05.2008 | Kottmann & Partner

- Prof. Dr. Hans Wielens
1. Was beobachten wir in der heutigen Wirtschaft und Gesellschaft?
Immer mehr Menschen, die ihre Heilserwartung nach außen gerichtet haben, in Geld, Macht, Karriere, die sich zur Erreichung dieser Ziele immer stärker diszipliniert haben, immer mehr Zeit eingesetzt und neue Siege errungen haben, stellen plötzlich fest, dass all ihr Einsatz deswegen fragwürdig geworden ist, weil ihre „Karriereleiter” an einer falschen Wand gestanden hat und die Kosten für die Siege – eine kaputte Ehe, schlechte Beziehungen zu den Kindern, Verlust an Integrität und Authentizität – in keinem richtigen Verhältnis zu dem Erreichten stehen. Sie stellen fest, dass sie leere Siege errungen haben, dass ihre Erfolge auf Kosten von Dingen erzielt wurden, von denen sie plötzlich merken, dass sie ihnen wichtig waren und sind. Sie merken, dass sie zwar effizient gewesen sind im Sinne der Verwirklichung ihrer Ziele, dass sie aber nicht effektiv waren im Sinne dessen, was ihnen wirklich wichtig und wertvoll ist. Sie merken, dass ihnen ihr innerer Kompass abhanden gekommen ist.
Viele Menschen kommen nicht mehr mit dem immer schneller werdenden Wandel zurecht, in dem sie stehen und den sie gestalten sollen. Immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen über das Thema „Ängste der Führungskräfte” kommen zu besorgniserregenden Feststellungen über die Kosten der Angst in der Wirtschaft. Die International Labour Organization kommt zu dem Ergebnis, dass in westlichen Industrieländern bis zu 10% der Führungskräfte depressiv sind.
Ärzte, Psychologen und Psychotherapeuten weisen darauf hin, dass viele Krankheitsbilder von Führungskräften auf keinerlei organischen Befunden beruhen, sondern psychosomatische Ursachen haben. Schlafstörungen, mangelnde Konzentrationsfähigkeit, innere Unruhe, Schuldgefühle, Überlastungserscheinungen, burn-out-Syndrome, mangelnde innere Gelassenheit, mangelnde Fähigkeit, sich entspannen und die Probleme der Arbeit loslassen zu können, werden in diesem Zusammenhang genannt.
Meditation ist kein Rückzug, sie führt nicht weg von der Welt, sondern auf sie zu. Meditation erdet und gibt Boden unter den Füßen. Offenbar ist die ZEN-Meditation daher für Wirtschaftsleute besonders attraktiv.
Jesuitenpater Nikolaus Brantschen
Besonders auffällig in unserer Gesellschaft ist der enorme Widerspruch bei einzelnen Persönlichkeiten, in Gruppen, Parteien, Universitäten, Unternehmen, Verbänden und Gewerkschaften zwischen der Selbstdarstellung und der Realität. Man täuscht Aufgeschlossenheit für Neues, Innovation und Reformeifer vor, tut aber wenig oder nichts, sondern unterstützt weiter den Prozess zur Bürokratisierung, der jede Selbstkritik und Kreativität erstickt. Vorherrschend ist ein ungeheurer Konformitätsdruck, man entwirft Sprechblasen, es herrschen Unsicherheit, Aktionismus und Orientierungslosigkeit, die aber hinter angeblich großen Konzepten versteckt werden. Laufend werden neue Strategien entworfen, aber offenkundige Schwachstellen nicht beseitigt. Viele Fusionen scheitern, weil die so häufig beschworenen synergetischen Effekte nicht realisiert werden konnten und weil zu schnell, zu hektisch gehandelt wurde und die unterschiedlichen Kulturen unzureichend beachtet und die Menschen nicht „mitgenommen” wurden.
2. Meditation bietet für Führungskräfte geeignete Hilfe
Bei der ZEN-Meditation geht es um die körperliche und geistige Entspannung, um das Abschalten von äußeren Einflüssen, das Abschalten des immer aktiven Geistes, um die Beruhigung der Sinne und Empfindungen, um die Versenkung in die eigene Tiefe und Stille, das Hören in das eigene Innere. Man stellt das bewusste Denken ein, lässt aufkeimende Gedanken und Empfindungen wie Wolken vorbeiziehen, um sich zu öffnen und in tiefere Bewusstseinsschichten vorzudringen. Die für den Westen typischen Verhaltensweisen, ständig zwischen richtig und falsch, gut und schlecht, sympathisch und unsympathisch zu unterscheiden, ohne zu begreifen, dass man sich durch diese Aufteilungen selbst begrenzt und Disharmonie in die Welt bringt, werden abgebaut. Es gelingt leichter, Gegensätze miteinander in Einklang zu bringen, indem man an ihre Quelle geht. Meditation ist somit ein Weg, Widersprüche zu umfassen, eine Synthese daraus zu bilden und Gleichgewicht zu schaffen. Man löst sich von den häufig klischeehaften Erwartungen der Gesellschaft und von der Maske, die man im Laufe der Zeit sich selbst aufgesetzt hat und die häufig nicht mehr viel gemein hat mit dem, der man in seinem tiefsten Inneren wirklich ist. Auf diese Weise wird man frei für die Verwirklichung seiner eigentlichen Bestimmung. Man bleibt nicht mehr problemorientiert, sondern wird möglichkeitsorientiert. Die Interessensphäre verändert sich vom „haben”, also von den Dingen, die Sorgen machen, zum „sein” im Sinne von: Ich kann geduldiger sein, kooperativer sein, weise sein, ich kann mich unabhängig machen von falschen Erwartungen. Wirkliche Selbstachtung kommt aus der Herrschaft über sich selbst, aus wahrem Selbstwertgefühl, das unabhängig macht vom Verhalten anderer.
Der einzige Weg, wirklich herauszukommen, ist, genug Selbstwertgefühl zu entwickeln, das unabhängig macht vom Verhalten anderer. Aber Selbstwertgefühl kann man nicht machen. Es muss wachsen. Je mehr wir Zugang finden zu unserer tieferen Existenz, um so unabhängiger werden wir von den oberflächlichen Emotionsstürmen.
Williges Jäger
Durch die Meditation kann man sich den Weg ebnen von der "Ich-Zentriertheit" zu dem der "Sein-Orientierung".
Je länger und erfolgreicher Meditation betrieben wird, um so mehr verändert sich die Einstellung gegenüber uns selbst und gegenüber der Mit-, Um- und Nachwelt.
Welchen praktischen Nutzen bringt die Meditation?
die Konzentrationsfähigkeit wird verbessert; man arbeitet genauer und intensiver
Einfallsreichtum, Kreativität nehmen zu
die Fähigkeit wächst, angemessene Entscheidungen zu treffen
die psychische und physische Gesundheit werden gefördert
die Fähigkeit entwickelt sich, loslassen zu können und viele Formen der Angst zu über winden
Krisen werden besser bewältigt
die Offenheit gegenüber Veränderungen nimmt zu, man „deblockiert” sich, es wachsen der Humor, die innere Gelassenheit
die natürliche Beharrlichkeit im Verfolgen wichtiger Ziele wird gestärkt (wer ZEN-Meditation betreibt, bleibt dran...)
das psychische Gleichgewicht wird unerschütterlicher
Begeisterung und Lebensfreude nehmen zu
man hört besser zu, lernt mehr, achtet auf Zwischentöne, versteht die Mitmenschen besser
die soziale Kompetenz gegenüber Mitarbeitern steigt und die Führungsfähigkeit wird verbessert
Abbau von Stress durch tiefe Ruhe und Entspannung
Steigern der Sensibilität: Erkennen der eigenen Empfindungen (Emotionen)
die Arbeit wird positiver gesehen, man wird unabhängiger von falschem Lob und Tadel
Klarheit des Denkens durch die Kraft der Stille
Die ZEN-Meditation führt mitten in die Welt, in den beruflichen und privaten Alltag, in die Familie, in die Arbeitswelt und in die Gesellschaft, sozusagen auf den öffentlichen Marktplatz. Sie ist keine Weltflucht, sondern positive und engagierte Weltbejahung. Und sollte sie jemand zur Flucht aus der Welt nutzen, so macht er falschen Gebrauch von der Meditation.
Prof. Dr. Hans Wielens
Gründer der Europäischen ZEN-Akademie

